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Modellwissen

EMW 340 – Geschichte, Technik und Ersatzteile

Der EMW 340 ist das prägende Nachkriegsmodell aus Eisenach und bildet den Kern dieses Wissenshubs. Dieser Beitrag ordnet Modellhistorie, Technik und Restaurierungsthemen ein und verweist auf verfügbare Ersatzteile aus unserem Bestand.

Modellhistorie

Der EMW 340 geht auf eine Weiterentwicklung des BMW 326 zurück, die ab 1947 im damaligen Awtowelo-Werk Eisenach unter der Bezeichnung BMW 340 entstand. Front- und Heckpartie wurden gegenüber dem Vorkriegsmodell modernisiert, die technische Basis – Fahrgestell, Motor und weite Teile des Antriebsstrangs – blieb dabei eng mit dem 326 verwandt. Nach ersten Prototypen im April 1948 und der Präsentation als eigenständige Neuentwicklung auf einer Ausstellung in Brüssel im Februar 1949 lief die Serienproduktion im Oktober 1949 an.

Nach vorliegenden Angaben entstanden zwischen 1949 und 1951 rund 8.000 Fahrzeuge unter der Bezeichnung BMW 340. Mit der markenrechtlich erzwungenen Umbenennung des Werks zum 1. Juli 1952 (siehe EMW-Geschichte) wurde aus dem Modell der EMW 340 beziehungsweise – in seiner überarbeiteten Version – der EMW 340-2. Bis zum Produktionsende 1955 kamen nach unterschiedlichen Quellenangaben weitere rund 13.000 Fahrzeuge der 340- und 340-2-Reihe hinzu. Genaue Stückzahlen variieren je nach Quelle und Zählweise (Chassis-Nummern, Karosserievarianten, Exportmodelle) und sollten für belastbare Aussagen anhand von Fachliteratur geprüft werden.

EMW 340 und EMW 340-2 – die Weiterentwicklung

Ab 1951 löste die überarbeitete Version 340-2 das ursprüngliche Modell schrittweise ab. Die Überarbeitung betraf vor allem Detailverbesserungen an Karosserie, Fahrwerk und Ausstattung, während das technische Grundkonzept – wassergekühlter Reihensechszylinder, Vierganggetriebe, hydraulisch-mechanische Bremsanlage – erhalten blieb. In der Praxis werden die Bezeichnungen 340 und 340-2 in der Sammler-Literatur teils nicht trennscharf verwendet; für die Ersatzteilsuche empfiehlt sich daher immer der Abgleich anhand von Fahrgestellnummer, Fotos und vorhandenen Fahrzeugunterlagen.

Technik im Überblick

Motor

Der EMW 340 wird von einem wassergekühlten Reihensechszylindermotor angetrieben, der je nach Quelle und Ausführung eine Leistung von bis zu etwa 57 PS erreicht. Der Motor steht in direkter konstruktiver Tradition zu den BMW-Vorkriegstriebwerken der 326/327-Baureihe.

Getriebe und Kraftübertragung

Zum Einsatz kommt ein Vierganggetriebe, das im Wesentlichen auf der Konstruktion des BMW 326 basiert. Der erste und zweite Gang sind mit einem Freilauf ausgestattet – eine für die damalige Zeit komfortorientierte Lösung, die das Schalten ohne vollständiges Auskuppeln in bestimmten Fahrsituationen erleichterte. Gegenüber dem 326 wurde die ursprünglich seilzugbetätigte Schaltung durch eine robustere Schaltstangenkonstruktion ersetzt, da sich die Seilzuglösung im Praxiseinsatz als reparaturanfällig erwiesen hatte.

Besonderheit: der Spaltfilter

Eine technische Eigenheit des EMW 340 ist der sogenannte Spaltfilter zur Motorölreinigung. Anstelle eines klassischen Wechselfilters arbeitet dieser mit einem Paket beweglicher Metallplatten, zwischen denen sich Schmutzpartikel absetzen. Über ein Klinkengetriebe wird bei jeder Betätigung des Kupplungspedals eine Abstreiferwelle minimal weitergedreht, die die Platten reinigt; der gelöste Schmutz sammelt sich am Boden des Filtergehäuses und wird in regelmäßigen Abständen über eine Ablassschraube entfernt. Bei Restaurierungen ist dieser Mechanismus ein häufiger Prüf- und Gesprächspunkt.

Bremsanlage und Fahrwerk

Die Bremsanlage arbeitet mechanisch-hydraulisch mit Betätigungsgestänge und Hauptbremszylinder. Fahrwerksseitig orientiert sich der EMW 340 ebenfalls stark am 326-Fahrgestell mit Einzelradaufhängung vorne.

Karosserie und Varianten

Charakteristisch für den EMW 340 sind die zweigeteilten Frontscheiben sowie eine für die Klasse großzügige Karosserieausführung. Neben der klassischen viertürigen Limousine – nach vorliegenden Angaben die mit Abstand meistgebaute Ausführung – entstanden mehrere Nutz- und Sonderaufbauten auf gleicher technischer Basis:

  • Kombi (Typenbezeichnung 340-7): als Lastenvariante mit vergrößertem Laderaum, in vergleichsweise geringer Stückzahl gebaut.
  • Lieferwagen (340-3): geschlossener Nutzfahrzeugaufbau für gewerbliche Zwecke.
  • Sanitätswagen / Krankenwagen (340-4):Sonderaufbau für den medizinischen Einsatz.
  • Fahrgestell für Sonderaufbauten (340-5):Basis für individuelle Karosserielösungen unabhängiger Aufbauhersteller.
  • Cabriolet-Varianten: Für den EMW 340 waren zusätzliche offene Karosserieformen vorgesehen beziehungsweise wurden in sehr geringer Stückzahl realisiert; diese gelten heute als besonders selten.

Auch hier gilt: Die überlieferten Stückzahlen einzelner Varianten schwanken zwischen den Quellen. Für die konkrete Einordnung eines Fahrzeugs empfiehlt sich der Abgleich mit Fahrgestellnummer und, sofern vorhanden, Werksunterlagen.

Typische Restaurierungsthemen

Wie bei den meisten Vorkriegs- und frühen Nachkriegskonstruktionen mit Stahlblech-Karosserie und Holzunterkonstruktion in Teilbereichen zählen Korrosion an Boden- und Schwellerbereichen, Türunterkanten sowie am Kühlerrahmen zu den häufigsten Restaurierungsthemen. Am Antriebsstrang stehen häufig die Überholung von Kupplungsscheibe und Kupplungsautomat, die Instandsetzung der Bremsanlage (unter anderem Hauptbremszylinder und Betätigungsgestänge) sowie Arbeiten an Kühler und Wasserpumpe im Vordergrund. Elektrische Bauteile wie Winker, Nebellampen und Zündverteiler sind alterungsbedingt häufig verschlissen oder unvollständig.

Ersatzteilsituation heute

Ersatzteile für den EMW 340 sind naturgemäß rar: Die Stückzahlen waren bereits zu Produktionszeiten überschaubar, seither wurden viele Fahrzeuge verschrottet, umgebaut oder als Teilespender genutzt. Wer heute restauriert, ist auf eine Mischung aus Neu-alt-Beständen (NOS – „New Old Stock“), gebrauchten Originalteilen und in Einzelfällen fachgerechten Nachfertigungen angewiesen.

Einzelne Baugruppen stehen historisch und technisch in Verbindung mit BMW-/EMW-Modellen der Nachkriegszeit, insbesondere dem BMW 326. Die konkrete Passfähigkeit einzelner Ersatzteile sollte jedoch anhand von Fotos, Maßen und Fahrzeugunterlagen im Einzelfall geprüft werden – pauschale Zusagen zur Austauschbarkeit sind aufgrund unterschiedlicher Fertigungsstände und Modelljahre nicht seriös möglich.

In unserem Ersatzteilkatalog finden Sie den aktuellen Bestand aus einer ehemaligen EMW-/Oldtimer-Werkstatt – von Motor- und Kühlungsbauteilen über Brems- und Antriebsteile bis hin zu Karosserie-, Beleuchtungs- und Innenraumkomponenten. Alle Teile sind einzeln fotografiert und können unkompliziert angefragt werden.